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08.04.2018 Portfolio Insights

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01.04.2018 Kommentar

Trump kündigt Strafzölle an

Anfang März sicherte sich US-Präsident Donald Trump einmal mehr die Schlagzeilen: Die USA hatten die Einführung von Strafzöllen auf Aluminium (10 %) und Stahl (25 %) angekündigt. Zudem drohte Trump den Europäern wiederholt mit höheren Zöllen auf Autoimporte (25 %). Sind Trumps Strafzölle provokativ und protektionistisch – oder gerechtfertigt? Ein Vergleich der aktuellen Einfuhrzölle von Europäischer Union und den Vereinigten Staaten auf Produkte sämtlicher Handelssparten zeigt, dass die EU bislang zum Teil deutlich strengere Abgaben verlangt als die USA. Auch ist der Anteil der zollfreien Importe in die USA mit 48 % deutlich höher als der der Europäischen Union (26 %). Trump hat mit seiner Ankündigung also nicht ganz unrecht. Sein Verhalten scheint durch die Zahlen nachvollziehbar zu sein.

Manche von Trumps Wirtschaftsberatern sehen in den Vorschlägen dennoch massive Gefahren für die amerikanischen (Wirtschafts-)Interessen. Sein Chefökonom Gary Cohn, der im Weißen Haus als eine der wenigen Stimmen der wirtschaftlichen Vernunft und als Freihandelsbefürworter galt, ist nach der Ankündigung zurückgetreten. Er hatte vergeblich gegen pauschale Strafzölle gekämpft. Mit seiner Begründung, dass die Zölle von nationalem Sicherheitsinteresse seien, nutzt Trump ein Schlupfloch in den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), welche in solch einem Fall Schutzmaßnahmen erlauben, die nicht mit Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder gekontert werden dürfen. Dass Trump damit einen Präzedenzfall schafft, der in anderen Nationen Nachahmer finden könnte, ist riskant.

Es ist, wie es ist. Jetzt muss die EU reagieren. Einen Handelskrieg wollen weder die Bundesregierung noch die EU. Der Chef des europäischen Stahlverbandes Geert Van Poelvoorde erklärte Mitte März: „Es ist unsere große Hoffnung, dass die EU und die USA die Zeit bis zum 23. März [an diesem Tag sollen die Handelsbarrieren in Kraft treten] nutzen, um eine Lösung zu finden und jegliche Eskalation zu vermeiden.“ Würde die EU Trump zumindest teilweise entgegenkommen und im Streit einlenken – würde sie etwa die Zölle auf US-Autos, die tatsächlich bei 10 % liegen, während EU-Autos auf dem US-Markt nur mit 2,5 % bezollt werden, auf null senken –, wäre das ein kluger Schachzug: Trump wäre sicherlich verblüfft. Der Handel zwischen der EU und den USA würde fairer werden. Aber: Der US-Präsident könnte das Entgegenkommen als Schwäche auslegen – und weitere Zusagen fordern.

Dringend zu vermeiden gilt es, dass sich beide Parteien in ihren Forderungen gegenseitig hochschaukeln und immer wieder überbieten. Dies würde nicht nur den beteiligten Volkswirtschaften, sondern der gesamten Weltwirtschaft schaden. Und am Ende gäbe es keinen Gewinner, sondern wohl nur Verlierer. Für unsere kurz- und mittelfristige Investmentstrategie bedeuten diese Entwicklungen, dass wir Sektoren, die von möglichen Strafzöllen betroffen sind, sehr genau analysieren und gegebenenfalls vermeiden.

08.03.2018 Portfolio Insights

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01.03.2018 Kommentar

Aktien und Volatilität

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte: Wenn Aktienkurse steigen – in einem nicht überkauften und nicht überbewerteten Markt –, scheint es, als würden sie langsam und Schritt für Schritt eine Treppe emporsteigen. Ab und an halten sie inne, machen eine Pause. Wenn sie aber fallen, meint man, sie würden jäh ein Fenster aufreißen – und springen. Ein Eindruck, den auch die jüngsten Kursentwicklungen Anfang Februar hinterlassen haben mögen. Was hatte Investoren so verschreckt? Weil die Löhne in den USA stark angestiegen sind, nahm die Angst der Anleger vor höheren US-Zinsen zu: Höhere Löhne führen zu mehr Kauflust bei den Verbrauchern, was zunächst zwar den Konsum anregt und positiv für Aktien ist; steigen dann aber die Preise, erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen – und die Aktien verlieren an Attraktivität. Die Kurse an den Weltbörsen gaben deutlich nach. Der US-amerikanische Leitindex Dow Jones verlor 1.100 Punkte, so viel wie noch nie zuvor an einem Tag, der Dax brach in einer Woche um 5,3 % ein. Ist jetzt also die Kehrtwende nach einem langen Aufwärtsmarkt angebrochen? Makro- und mikroökonomisch betrachtet hat sich nichts geändert: Die Unternehmensgewinne sind nach wie vor stark. Die Weltwirtschaft wächst robust. Die Zinsen sind noch immer niedrig. Seit Monaten waren die Aktienkurse bei historisch niedriger Volatilität gestiegen. Dies interpretieren Anleger häufig fälschlicherweise als Zeichen dafür, dass das Risiko am Aktienmarkt sehr gering ist. Tatsächlich jedoch zeigt die geringe Volatilität lediglich, dass das Treppenaufsteigen ein langwieriger Prozess ist. Über reales Aktienmarktrisiko sagt sie uns wenig. Aktien besitzen die Eigenschaft der sogenannten „Linksschiefe“: Die Kurse springen in gewissen zeitlichen Abständen von jetzt auf gleich aus dem Fenster. Die Herausforderung: Die Märkte fallen in kürzerer Zeit stärker, als sie über längere Zeit hinzugewinnen. Betrachtet man Kurse und Indizes historisch, kann man solche technischen Verhaltensweisen ablesen und interpretieren. Auch der jüngste Kursrutsch war vor allem technischen Faktoren geschuldet: Weil Korrekturen etwa des S&P 500 im Jahr 2017 das Maß von 5 % nicht überschritten, ist der Index technisch anfällig. Die zurückliegende Kurskorrektur ist daher vielmehr eine gesunde Korrektur, zurück in normale Zeiten, in der Volatilität ein Teil des natürlichen Marktgeschehens ist. Denn: Dass die Volatilität so niedrig war, ist auch Ergebnis der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken, die massiv Geld in den Markt gegeben haben. Da aber auch wir nicht wissen, ob es sich um eine tiefere Krise mit anschließender Trendumkehr handelt, haben wir unsere Aktienquote entschlossen von knapp 70 % auf unter 40 % reduziert, schon als sich die ersten Abwärtsbewegungen abzeichneten, – und so einen Teil des Kursrutsches abgefedert. Trotzdem sehen wir Aktien auf mittlere Sicht weiterhin moderat positiv. Wir glauben nicht, dass die Korrektur der Beginn einer echten Krise ist. Vielmehr sind die Aktienmärkte auf ein gesundes Niveau zurückgekehrt – gleich einem frischen Frühlingsregen, der die Luft vor Pollen reinigt. Die Bedingungen haben sich, wenn man so möchte, sogar verbessert: Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind nach wie vor positiv, zudem herrschen an den Märkten jetzt wieder normale(re) Verhältnisse. Ein Kursanstieg des S&P 500 wie Anfang dieses Jahres von rund 8 % in nur drei Wochen (in US-Dollar) ist nicht normal. Denken Sie daran: Runter geht es immer schneller als rauf, egal ob bei Aktien oder beim Treppensteigen. Vorsicht ist also stets geboten. 

08.02.2018 Portfolio Insights

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01.02.2018 Kommentar

Chinas Zukunftspläne

China ist seit Jahren das Zünglein an der Waage, wenn es darum geht, wie sich die Wirtschaft in den USA, in Europa und auf der ganzen Welt entwickeln wird. Sein wirtschaftlicher Wandel von der einstigen Industrienation hin zu einem dienstleistungsorientierten Wirtschaftssystem und die zunehmende Machtkonsolidierung Staats- und Parteichefs Xi Jinpings verleiht dem großen Ziel, die Vorherrschaft etwa in den Hightechindustrien zu übernehmen, immer mehr Rückenwind. Xis Programm spricht deutliche Worte: Bis 2025 soll der inländische Bedarf mindestens zu 70 % aus eigener Produktion gedeckt werden, bis 2049 möchte das Land eine führende Weltmacht werden. Auf der einen Seite ist da also Chinas Anspruch, im Bereich Technologie nicht nur zu westlichen Nationen aufzuschließen, sondern sie zu dominieren. China fördert – mit Subventionen und Quoten – wie kein anderer Staat die Elektromobilität. Das Land ist der weltweit und mit Abstand größte Absatzmarkt für Stromautos und könnte 2018 mehr als 1 Million davon verkaufen. Auch die Chinesen fahren gerne große Geländewagen mit Verbrennungsmotor. Aber bereits ab 2019 müssen die Hersteller – heimische wie internationale, die in China produzieren oder nach China exportieren – einen bestimmten Anteil an Elektrofahrzeugen herstellen. Die geplante EU-Quote sieht 15 % im Jahr 2030 vor. Mit ihrer Vor- reiterrolle könnte die Volksrepublik künftig den Weg für andere Nationen diktieren. Vorreiter mit Hochgeschwindigkeit. Während das Land des Lächelns seine Hochgeschwindigkeitszüge mit 350 Kilometern pro Stunde, und damit schneller als alle anderen, von Peking nach Schanghai jagen lässt, verzeichnete der chinesische Zughersteller CRRC 2016 einen Umsatz von 30,5 Milliarden Euro. Siemens und Alstom kamen zusammen auf gut 15 Milliarden Euro – knapp die Hälfte. Auf der anderen Seite gibt sich Xi zwar gerne als liberaler Reformer, westlich orientiert und fortschrittlich, auch im Zusammenhang mit seiner weitreichend angelegten Antikorruptionskampagne. Zum Ziel hat diese jedoch – auch –, die chinesische Bevölkerung wieder auf Linie mit dem Regime zu bringen. Ab 2020 etwa plant die Regierung, ein soziales Bewertungssystem verpflichtend für alle Bürger einzuführen und die Chinesen anhand eines Punktesystems zu bewerten: Gutes Verhalten wird belohnt, etwa wenn man seine Rechnung pünktlich bezahlt. Aber auch persönliche Daten, die dem Staat vorliegen, fließen in die Bewertung ein: aus dem Schuldenregister, von Gerichten, bis hin zu Vereinsmitgliedschaften und politischen Aktivitäten. Armut, Ungleichheit und die Angst des Mittelstands sind strukturelle und anhaltende Bedrohungen für Chinas politische Stabilität. Xis großflächig angelegte Antikorruptionskampagne soll diese politischen Risiken mildern und die Situation der Regierung verbessern. Gelingen kann dies jedoch nur mit einem institutionellen Gegengewicht. Für westliche Investoren dürfte China ohne liberale Neuerungen und Wirtschaftsreformen nicht nur autoritärer, sondern auch weniger produktiv erscheinen. Ohne Investoren kein Wirtschaftswachstum. Mit marktfördernden Reformen jedoch glauben wir, dass China auf mittlere und lange Sicht erfolgreich sein wird und investieren daher verstärkt in asiatische Aktientitel.

08.01.2018 Portfolio Insights

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01.01.2018 Kommentar

Über den Einfluss der Geldpolitik

Eine lockere Geldpolitik hat großen Einfluss auf die Entwicklung von Aktien und Renten. Und es ist nur schwer vorstellbar, dass der finanzpolitische Stimulus in den vergangenen Jahren größer hätte sein können. Seit der weltweiten Finanzkrise 2008 waren die Zentralbanken wie in Panik. Die Folge war eine in den Industrieländern noch nie da gewesene Nullzinspolitikphase, gepaart mit einer außergewöhnlichen Ausweitung der Zentralbankbilanzen durch umfangreiche Anleihenkaufprogramme. Und? Geldpolitik und Finanzmärkte befanden sich im Einklang. Der makroökonomische Hintergrund aus niedriger Inflation, billigem Geld und gesunden Unternehmensgewinnen schuf ein positives Umfeld für die Kapitalmärkte. Die Geldpolitik wirkt traditionell über den Kreditkanal. Indem die Notenbanken die Leitzinsen senken, schaffen sie Anreize für den Privathaushalt und die Unternehmen, sich Geld zu leihen. Weil der Kreditkanal nach der Finanzkrise teilweise blockiert war, war die Politik dazu verdammt, auf andere monetäre Transmissionsmechanismen zu hoffen: vor allem darauf, dass die Asset-Preise steigen. Solche Mechanismen funktionieren allerdings nur für eine gewisse Zeit. Danach münden sie in massiv überteuerte Vermögenswerte. Das macht es schwer, die Aufrechterhaltung einer hyper-stimulierenden Geldpolitik zu rechtfertigen. Geldpolitik und Märkte kollidieren. Viele Zentralbanken scheinen die Lage so zu beurteilen, dass dieser Punkt jetzt erreicht ist oder demnächst erreicht wird. Die Notenbanken müssen ihr Vorgehen folglich verändern. Tun sie dies jedoch schlagartig, würden sie den Märkten ihren Schwung nehmen. Die Kombination aus lockerer Fiskalpolitik, etwa durch Trumps Steuererleichterungen, und einer unerwartet deutlichen Erhöhung des US-Leitzinses wäre bullish für den US-Dollar, was die Wirtschaft in Europa und den Schwellenländern stärken, die US-Konjunktur aber schwächen würde. Allerdings befindet sich die US-Notenbank aufgrund der niedrigen Inflationsrate in den USA in der komfortablen Lage, ihre Geld- und Zinspolitik sehr behutsam straffen zu können. Die Märkte rechnen eben gerade nicht mit einer Kehrtwende, da die Fed aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gar nicht dazu in der Lage sein würde, die Zinsen schneller anzuheben. Ihre jüngsten Prognosen zeigen eine Zinsrate von 2,1 % Ende 2018, während die Märkte einen Wert von 1,8 % eingepreist haben. BCA erwartet, dass die Inflation ab der zweiten Jahreshälfte leicht steigen könnte. Insgesamt ist der wirtschaftliche Ausblick für 2018 positiv: Die Einkaufsmanagerindizes deuten nach oben, Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen befinden sich auf zyklischen Höchstständen und die Frühindikatoren steigen. Natürlich wird dies aktuell auch von einem weiterhin überwiegend lockeren finanzpolitischen Kurs gestützt. Umfragen zeigen, dass die Unternehmensinvestitionen in diesem Jahr auf einem hohen Niveau verbleiben werden, auch wenn Trumps Steuerreform keinen zusätzlichen Anreiz schaffen wird. Wir teilen dieses positive Gesamtbild und starten mit einem Aktienübergewicht in sämtlichen Regionen außer den Schwellenländern in das neue Jahr.

08.12.2017 Portfolio Insights

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01.12.2017 Kommentar

Der Ehrgeiz Chinas

„Wenn China erwacht, wird die Welt erzittern“, warnte Napoleon vor fast 200 Jahren einen britischen Diplomaten. Ein Zittern würde sich US-Präsident Donald Trump äußerlich wohl niemals anmerken lassen. Und angesichts seiner Einschätzung der Dinge könnte er die neuen Machtverhältnisse auch leicht gänzlich anders bewerten. Objektiv betrachtet, hat der kürzlich wiedergewählte chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping in den vergangenen fünf Jahren jedoch sehr viel erreicht: Er hat seine Macht innerhalb seiner Partei, des Militärs und weiterer wesentlicher Institutionen umfassend konsolidiert. Und Chinas Wirtschaft wächst seit Jahren zwischen 6 % bis 8 %. Die Volksrepublik ist sehr ehrgeizig: Auf seiner Eröffnungsrede beim Parteitag der Kommunistischen Partei Ende Oktober verkündete Xi Jinping, dass das Land bis 2049 eine führende Weltmacht werden soll. Bis 2025 sollen rund 70 % der wichtigsten Komponenten und Materialien in der chinesischen Industrie aus heimischer Produktion stammen. Gemäß Xis China-Traum soll das Reich der Mitte wieder an die Spitze der Nationen aufsteigen und als Großmacht im Zentrum der Weltbühne stehen. Statt auf quantitatives setzt er auf qualitatives Wirtschaftswachstum, die Umweltverschmutzung soll reduziert, das Bildungssystem breiter aufgestellt und eine gute Gesundheitsversorgung gewährleistet werden. Dies alles soll und wird zu einer Verbesserung des Lebensstandards der 1,4 Milliarden Chinesen führen. Der Wandel hin zu einer dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft könnte das Wirtschaftswachstum zwar kurzfristig abschwächen, mittel- und langfristig aber wird er China zu – noch – mehr Stärke verhelfen. Während die USA ihre Grenzen immer deutlicher ziehen, Wirtschaftskooperationen aufkündigen und physische Mauern errichten wollen, knüpft das Land des Lächelns neue Verbindungen. Mit der neuen Seidenstraße baut das Reich der Mitte seine Handelswege nach Europa und Afrika aus, in Form von Häfen, Bahnlinien und Gasleitungen im Wert von 1 Billion US-Dollar. Mit dem Ziel, zur größten Wirtschaftsmacht der Welt zu werden. Seit fast drei Jahren rollen Waggons vom chinesischen Yiwu 13.000 Kilometer weit bis ins spanische Madrid und liefern etwa kunterbunte PVC-Weihnachtsbäume an die katholischen Kunden. Bereits im Jahr 1820 brachten nach der Statistik des Wirtschaftshistorikers Angus Maddison die damals 380 Millionen Chinesen, rund 38 % der Weltbevölkerung, knapp ein Drittel der globalen Wertschöpfung auf die Waage. Knapp 600 Jahre früher, zu Marco Polos Zeiten, kam geschätzt knapp ein Drittel der globalen Wirtschaftsproduktion aus China, 2016 war die Volksrepublik mit einem Anteil von 17,76 % das Land mit dem größten globalen Bruttoinlandsprodukt. Xi hat auf dem Parteikongress eindrucksvoll die Macht und das Selbstvertrauen der Volksrepublik präsentiert und dass er mit der Vergangenheit gebrochen hat. Mit staatlich gelenktem Wachstum, mehr Privatisierung und neuer außenpolitischer Durchsetzungskraft möchte er China in den Mittelpunkt des globalen Machtgefüges rücken. Wir glauben, dass Xi mit seinem Plan – innerhalb seines Gestaltungsrahmens – auf mittlere und lange Sicht Erfolg haben wird und investieren daher verstärkt in asiatische Aktientitel, US-amerikanische Papiere gewichten wir unter.

08.11.2017 Portfolio Insights

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01.11.2017 Kommentar

Verschiebung der Machtverhältnisse

Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich. Während die USA ihre Rolle als Weltordnungsmacht reduzieren, schaffen sie Raum für neue Koalitionen: Dieser Eindruck konnte entstehen, als König Salman Anfang Oktober als erster saudi-arabischer König einen russischen Präsidenten besucht hat. Zusammen mit Wladimir Putin unterzeichnete er Abkommen für gemeinsame Energieprojekte und Rüstungsgeschäfte. Saudi-Arabien, eigentlich ein wichtiger Partner der USA, und Russland nähern sich an. Das Königreich ist der drittgrößte Waffenimporteur weltweit. Trotzdem hat es noch nie zuvor Waffen in nennenswertem Umfang von Russland gekauft. Auch deshalb ist der Staatsbesuch symbolkräftig und mag ein Zeichen dafür sein, dass die beiden Länder tiefergehende wirtschaftliche Beziehungen und eine strategisch dauerhafte Partnerschaft eingehen möchten. Wäre dies der Fall, könnte das wesentliche geopolitische Auswirkungen mit sich bringen. Die USA haben sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr aus den Geschehnissen im Nahen und Mittleren Osten herausgenommen. Bereits 2011 hatte Präsident Obama begonnen, die US-amerikanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen. Ziel war es, Militär und Aufmerksamkeit neu auszurichten, um Chinas Aufschwung in Ostasien etwas entgegenzuhalten, sowie einen innenpolitischen Imperativ zu setzen. Aus Sicht Saudi-Arabiens brachte dieses Umschwenken die regionale Ordnung durcheinander. Im Norden fand sich nun anstelle eines durch US-Militär stabilisierten Iraks eine vom Iran, dem saudischen Erzfeind, dominierte Regierung. Heute muss Saudi-Arabien feststellen, dass der Kurs der Amerikaner von Dauer ist: Unter Donald Trump zeigt sich Washington im Syrienkonflikt weitestgehend isoliert und ohne erkennbares Interesse daran, den Status quo im Jemen zu verändern oder die iranische Hegemonie im Irak, in Syrien und im Libanon wesentlich zu beeinflussen. Saudi-Arabien wurde mehr oder weniger dazu gedrängt, seine Bündnisse neu ordnen zu müssen. Alle Bemühungen, seiner bisherigen Zwangslage inmitten dieser wechselnden Haltungen zu entkommen, sind fehlgeschlagen. Nun wählt das Königreich eine neue, kooperative Strategie, deren essenzielle Bestandteile die Annäherung an Russland und die Zusage zu einer dauerhaften Ölfördermengenbegrenzung sind. Und auch Russland, das als Alliierter Irans gilt, zeigt sich etwa im Jemen offener, beiden Ländern, Iran und Saudi-Arabien, bei der Konfliktlösung entgegenzukommen. Die eingeflogene goldene Rolltreppe für den saudischen König, die auf russischem Boden nicht funktionieren wollte, mag ein Symbol dafür sein, dass Koalitionen nie ohne Reibung funktionieren. Russland, Saudi-Arabien und der Iran scheinen sich vorerst als neue Mächte gegenüber den Amerikanern zu formieren. Aber selbst wenn die Machthaber dieser Welt beginnen mögen, darüber nachzudenken, künftig weniger mit den oder gar ohne die USA zu planen. Wie kommentierte Wladimir Putin die Frage nach einer geopolitischen Allianz zwischen Amerika und Saudi-Arabien rhetorisch: „Gibt es wirklich etwas auf der Welt, das von Dauer ist?“ Eine Frage, die auch für uns als Investor Gültigkeit hat. Aktuell investieren wir daher verstärkt in europäische und asiatische Aktien und gewichten US-amerikanische Titel unter.

08.10.2017 Portfolio Insights

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01.10.2017 Kommentar

Zur Stärke des Euros

Seit Anfang des Jahres ist der Euro gegenüber dem US-Dollar um 14 % gestiegen. Für den Endverbraucher aus dem Euroraum sind das gute Nachrichten: Reisen, besonders in die USA, sind für ihn heute günstiger als noch vor gut zwei Jahren. Auch Öl wird in der US-Währung gehandelt und ist im Einkauf und damit für den Privathaushalt billiger. Für europäische Exportfirmen aber verschlechtern sich die Wettbewerbschancen, da ihre Waren auf dem Weltmarkt teurer werden. Dennoch muss ein stärkerer Euro nicht schlecht für Europa sein. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Euro noch nicht zu stark. Die Gemeinschaftswährung müsste um mindestens weitere 5 % zulegen, um die erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone gegenüber ihren 19 wichtigsten Handelspartnern zu gefährden. Das entspricht einem Euro-US-Dollar-Kurs in Höhe von 1,30. Als der Euro im Jahr 1999 eingeführt wurde, war er laut einer Analyse der Europäischen Zentralbank fair bewertet, das heißt, sein damaliger Wert entsprach exakt dem, was der Euro zu diesem Zeitpunkt auch theoretisch wert war. Im Laufe der Zeit durchlief die Gemeinschaftswährung sowohl Höhen als auch Tiefen, war etwa während der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre stark unterbewertet, gewann während des weltweiten Kreditbooms deutlich an Wert hinzu und wurde als Folge der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, wie sie bis heute verfolgt wird, wieder geschwächt. Betrachtet man den Euro innerhalb seines Gesamtkontextes, ist die jüngste Euro-Hausse also nur eine Erholung von seiner vorhergehenden Unterbewertung. Dass der Euro aktuell Stärke zeigt, hat verschiedene Gründe. Mit der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten ist die politische Unsicherheit in Europa gesunken. Die Angst, dass der Brexit einen Dominoeffekt nach sich zieht, hat sich gelegt. Das Wirtschaftswachstum in Europa ist überdurchschnittlich hoch, die Unternehmensgewinne steigen und die jüngste ZEW-Umfrage zu den Konjunkturerwartungen ist positiv. Dass der US-Dollar im Gegenzug schwächelt, liegt viel an Donald Trump: Ihm ist es bisher nicht gelungen, seine angekündigten Steuer- und Infra- strukturmaßnahmen erfolgreich umzusetzen. Die US-Notenbank lässt aufgrund dieser Variablen aktuell Vorsicht walten und hat den Leitzins noch nicht weiter erhöht – und es ist durchaus denkbar, dass sie dies 2017 auch nicht mehr tut. Ja, ein stärkerer Euro stellt uns als Euroinvestor vor eine besondere Herausforderung. Weil wir unser Portfolio weltweit diversifizieren, um das Anlagerisiko zu reduzieren, ist ein großer Teil unserer Investments in US-Titeln angelegt: Hier wirkt sich ein schwacher Dollar besonders auf unsere Performance aus. Wir reagieren auf den erstarkten Euro, indem wir unser Portfolio proaktiv gegen Wechselkursschwankungen absichern. Zudem gehen wir davon aus, dass die Gemeinschaftswährung nicht wesentlich weiter steigen sollte; vielmehr scheint der Euro seinen aktuellen Höchststand erreicht zu haben. Mittelfristig rechnen wir damit, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar etwas fallen könnte, da die US-Notenbank Fed im Gegensatz zur EZB den Leitzins bereits in wenigen Monaten erhöhen dürfte. Von seinem Höchststand von mehr als 1,60 US-Dollar im Sommer 2008 ist der Euro noch weit entfernt.

08.09.2017 Portfolio Insights

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01.09.2017 Kommentar

Die Angst vor dem Neuen

Der Traktor war für den Menschen einst ein angsteinflößendes Ungetüm. Heute kaum noch vorstellbar, wirkte die von dem Fahrzeug ausgehende Automatisierung befremdlich: Denn der Traktor hatte das Pferd ersetzt – ein Lebe- wesen. Der Traktor war eine Pferdeersetzungsmaschine. Heute hört man manchmal extreme Sätze wie: „Die Roboter kommen. Sie werden uns Arbeitsplätze weg- nehmen. Sie werden die menschliche Arbeitskraft in vielen Teilbereichen ablösen.“ Und deshalb trifft es „kaum noch vorstellbar“ nicht ganz: Durch diese emotionale Brille betrachtet, wird IBMs kognitives Computersystem Watson zum neuen Traktor. Eigentlich zeigt das Beispiel „Traktor“: Ein Roboter kann vieles sein. Der vor mehr als 200 Jahren entwickelte Jacquard-Webstuhl, ein Geldautomat – oder auch ein vierrädriges Ungetüm, das Pferd und Pflug austauscht. Eine grundlegende Definition lautet: „Ein Roboter ist eine Einheit oder Maschine, die selbstständig komplexe und häufig sich wiederholende Tätigkeiten ausführen kann.“ Dass menschliche Arbeitskraft zugunsten höherer Produktivität durch Maschinen ersetzt wird, ist nicht neu. Auch nicht, dass dies schnell und rigoros vonstattengeht. Die Rationalisierung in der Landwirtschaft ab 1800 ist nur ein Beispiel: In der Geschichte hingen Arbeitsplätze meist an der Lebensmittelherstellung. Ende des 19. Jahrhunderts waren über 50 % der US-amerikanischen Arbeiter im Agrarwesen tätig. Der Sektor hat enorm von der Automatisierung profitiert: Erfindungen wie die Egreniermaschine, die Baumwollfasern von Samen trennt, oder die Mähmaschine trugen dazu bei, dass sich die Produktion von 100 Scheffeln Weizen von noch 250 bis 300 Stunden Dauer im Jahr 1830 auf nur 75 bis 90 Stunden 1850 verkürzte; und auf unglaubliche 6,5 Stunden 1955. Damit hat sich die Arbeitszeit in 125 Jahren um 97,5 % reduziert. Im Vergleich zur künftigen Robotergeneration waren die Automaten aus früheren Tagen entweder fest mit einem Ort verbunden, etwa in Fabriken wie die heutigen Werksroboter, oder sie wurden von Menschen gesteuert oder zumindest permanent überwacht. Der kommende Wandel hin zu sich selbst fortbewegenden, selbst denkenden Maschinen wird wohl ungefähr so durchgreifend sein wie die Entstehung und das Sich-Bahn-Brechen des Internets um die Jahrtau- sendwende. Unabhängig davon zeigt die Vergangenheit aber eines: Automatisierung und Roboter mögen bestimmte Branchen und Tätigkeiten obsolet machen, zugleich jedoch schaffen sie schnellere und effektivere Prozesse, leisten ein Vielfaches an Produktivität und führen zu einer enormen Verbesserung der Lebensstandards. Sie ersetzen nicht nur menschliche Arbeitskraft, sondern eröffnen auch neue Märkte – und Arbeitsplätze. Feldarbeiter und Cowboys wurden damals nicht in rauen Mengen arbeitslos, sondern sie fanden neue Beschäftigung etwa als Fabrikarbeiter. Vielleicht bietet die neue künstliche Intelligenz einen Ausweg aus der Demografieproblematik in Form von Pflegerobotern. Viele Unternehmen werden von der Automatisierungswelle profitieren: Hersteller von Mikrochips und Sensoren oder Experten für autonomes Fahren. Unsere Aufgabe als Investor ist es, im Vorfeld Gewinner und Verlierer voneinander zu unterscheiden. Der Wandel mag sich rigoros anfühlen – tatsächlich dürfte es sich um einen mehrere Jahrzehnte dauernden Prozess handeln. Mit mindestens so vielen Chancen wie Risiken. Für uns Investoren und für die Gesellschaft.

08.08.2017 Portfolio Insights

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01.08.2017 Kommentar

Der G-20-Gipfel

Verfolgt man die deutsche Berichterstattung zum G-20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg, rückt das Treffen der Staats- und Re- gierungschefs der 20 großen Industrie- und Schwellenländer quasi gänzlich in den Hintergrund. Es geht um linksextreme Krawalle im Schanzenviertel, die von der Öffentlichkeit und Politik gerügte Polizeistrategie und entzogene Journalistenakkreditierungen – um politische Entscheidungen geht es nicht. Ja, der Schaden infolge der Ausschreitungen ist beachtlich. Auf rund 12 Millionen Euro soll er sich einer Schätzung des Gesamtverbands der Deutschen Ver- sicherungswirtschaft (GDV) belaufen. Autos brannten, Schaufenster wurden eingeschlagen, Läden geplündert und mit Flaschen geworfen. Die Aufarbeitung läuft. Bis dahin und aktuell gibt es vor allem Schuldzuweisungen. Wir richten unseren Blick daher allein auf das Treffen der 20 Teilnehmer und darauf, welche politischen Erkenntnisse sich daraus für das globale Staatengefüge ergeben. Zum einen ist es diese: Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Abgesandten keine nennenswerte politische Einigung erzielt. Zwar haben sich 19 von 20 Ländern für eine Verschärfung des Klimaschutzes ausgesprochen – die USA aber waren dagegen. Auch in Hamburg blieb Donald Trump seiner Doktrin treu, globale Sicherheit und Wirtschaftsbeziehungen neu zu verhandeln, ziehen sie seiner Meinung nach doch vor allem ihren Vorteil aus Amerikas umfassender Großherzigkeit. Er vergisst, dass es die USA waren, die im Zuge der neuen Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg und auf dem Höhepunkt ihrer Macht die Chance ergriffen, Institutionen wie die NATO oder die Weltbank ins Leben zu rufen, um die amerikanische Vormachtstellung weiter zu stärken und sich mit den amerikanischen Alliierten in wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Fragestellungen zu verbünden. Eine weitere Erkenntnis aus dem G-20-Gipfel ist: Es geht nicht länger um 20, sondern um 19 Länder mit globalem Einfluss. Die USA scheinen sich immer weiter hinter nationale Mauern zurückzuziehen. Die einstige Supermacht der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben Russland scheint diesen Status ernsthaft zu gefährden, verzichtet sie doch mit der Wahl ihrer Politik und Entscheidungen freiwillig auf immer mehr internationalen Einfluss. America First ist keine Erfindung von Donald Trump und es ist mehr als nur Politik. Es ist eine natürliche Reaktion auf den abnehmenden geopolitischen Einfluss Amerikas. America First ist ein Symptom – und nicht die Ursache globaler Multipolarität. Auch in der Vergangenheit lag es in der Natur von G-20-Gipfeln, dass sie, da hochgradig abstrakt, – zumeist – keine Marktbewegungen ausgelöst haben. Schon 2011 wies BCA Research darauf hin, dass die USA relativ an geopoliti- schem Einfluss verlieren oder sich diesbezüglich zurücknehmen könnten, was Auswirkungen auf das weltweite Macht- und Staatengefüge hätte. Für Europa bedeutet es einfach das: Es orientiert sich in Richtung China und Russland. Natür- lich ließe sich nun vortrefflich die Frage diskutieren, ob es an der Zeit sei, „antiamerikanisch“ zu investieren und beide Länder überzugewichten. Angesichts der hohen Fragilität und Unsicherheit eine für uns zu risikoreiche Positionierung. Wir wählen daher die etwas stabilere Umsetzung in Form der breiter diversifizierten asiatischen Schwellenländer.

08.07.2017 Portfolio Insights

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01.07.2017 Kommentar

Trump verblüfft und verwirrt

Seit seiner Wahl verwirrt und verblüfft Donald Trump Unterstützer wie Kritiker gleichermaßen mit strittigen Aussagen und Aktionen. Seine Beliebtheit als Präsident hat, gemessen an der kurzen Zeit, die er im Amt ist, einen historischen Tiefstwert erreicht. Die Entlassung von FBI-Chef James Comey und die Vorwürfe, Trump hätte diesen zuvor um die Einstellung der Ermittlungen gegen seinen Sicherheitsberater Michael Flynn gebeten, ließen die Medien Ende Mai zuhauf über die Frage nach einer möglichen Amtsenthebung wegen Justizbehinderung diskutieren. Um kurz darauf zu verstummen, ohne dass der US-Präsident diesbezüglich wirklich in Bedrängnis geraten wäre. In der amerikanischen Geschichte sind bislang zwei Amtsenthebungsverfahren, sogenannte Impeachments, zum Abschluss gekommen – und beide scheiterten. Andrew Johnson, der einen Minister ohne Zustimmung des Senats entließ, wurde aufgrund einer fehlenden Stimme im Senat nicht abgesetzt. Auch Bill Clinton blieb nach einem Absetzungsverfahren im Amt – seine Verteidigung plädierte auf einen Rachefeldzug der Republikaner. Clintons Beliebtheit schnellte nach oben, das Impeachment scheiterte an der Zwei-Drittel-Hürde. In beiden Verfahren ging es also eher um die tiefe politische Spaltung in den USA als um die tatsächliche Verfolgung eines Vergehens. Laut amerikanischer Verfassung sollte eine Amtsenthebung im Falle von „Hochverrat, Bestechung und anderen schweren Verbrechen und Vergehen“ erfolgen. Eigentlich ist also die Hürde für ein Amtsenthebungsverfahren eher niedrig als hoch. Der Begriff „Vergehen“ ist ein vager – und es ist das Repräsentantenhaus, das festlegt, was genau er im Zweifel bedeutet. Das Repräsentantenhaus spielt beim Amtsenthebungsverfahren eine entscheidende Rolle. Über eine einfache Mehrheit entscheidet es, ob ein Verfahren eingeleitet wird. Aktuell haben die Republikaner in der Kammer den Großteil der Sitze inne. Trumps dramatisch sinkende Zustimmungswerte aber dürften auf eine enge Kongresswahl im November 2018 zwischen Republikanern und Demokraten im Repräsentantenhaus hindeuten. Ein Impeachment ist ein politischer Prozess und kein rechtliches Verfahren. Es gibt keinen Revisionsprozess durch den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof. Das heißt: Die rechtliche Sicht auf die Anschuldigungen wiegt weniger als der politische Kontext, im Rahmen dessen das Haus über ein Impeachment entscheidet. Die in den USA historisch stark ausgeprägte politische Spaltung, die geringe und abnehmende Popularität Trumps und seine eigenwillige Politik könnten mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass, sollten die Demokraten die Zwischenwahl gewinnen, sie ein Amtsenthebungsverfahren einleiten. Je nachdem, über wie viel Rückhalt der Präsident zu diesem Zeitpunkt in seiner eigenen Partei verfügt, würde sich der Senat dann für oder gegen den Antrag aussprechen. Während Donald Trump nach wie vor für negative Überraschungen sorgt, bleiben die Börsen unbeeindruckt. Es scheint, egal welche politischen Eskapaden sich der US-Präsident leistet, die Investmentwelt hat sich bereits daran gewöhnt. In Europa hingegen ist die politische Stabilität mit der Wahl Emmanuel Macrons wieder größer. Die Wirtschaft ist robust, und wir gehen davon aus, dass sich europäische Aktien stärker entwickeln als US-Titel.

08.06.2017 Portfolio Insights

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01.06.2017 Kommentar

Frankreich im Wandel

In Zeiten, da europakritische Parteien auf dem Vormarsch scheinen und die Europäische Union (EU) von manchem zuweilen gar totgesagt werden mag, erstrahlt Frank- reich – und mit ihm Europa – in neuem Glanz: Die Franzosen wählten Emmanuel Macron zu ihrem künftigen Präsidenten; und das deutlicher als von den Umfragen vorausgesagt. Einen, der sich lauthals für Europa stark macht, und dessen europhiler Kurs selbst dem einen oder anderen Eurobefürworter zu weit geht. Man könnte es als das Paradoxon der vergangenen 18 Monate bezeichnen: Die zwei Volkswirtschaften mit dem aktuell stärksten Wirtschaftswachstum der entwickelten Welt, die USA und Großbritannien, haben die größte Zunahme populistischer Strömungen zu verzeichnen. Was sich auf den ersten Blick widerspricht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als logische Konsequenz: Die Popularität der französischen Front-National-Chefin Marine Le Pen ist, das zeigen Auswertungen, seit vielen Jahren unmittelbar an das Ausmaß der euroskeptischen Einstellung der französischen Wähler gebunden. Und obwohl die diesjährige französische Präsidentschaftswahl inmitten einer seit fast zwei Jahren andauernden internationalen Flüchtlingskrise und eines nur wenige Tage zurückliegenden Terroranschlags in Paris und damit in einem für eine nationalistische Partei sehr günstigen Umfeld stattfand, hat die rechtsextreme Kandidatin in allen 13 zentralen Regionen eine Niederlage hinnehmen müssen. Laut den unabhängigen Experten von BCA Research ist für den Erfolg populistischer Tendenzen weniger die alltägliche und kurzfristige Wirtschafts- und Sicherheitslage entscheidend als vielmehr der langzeitige sozioökonomische Kontext. Der französische Wohlfahrtsstaat, auch wenn er ineffizient und reformbedürftig sein mag, spielt für die Wähler eine wesentliche Rolle – und macht die Anti-Establishment-Bewegung für sie weniger attraktiv. Im Gegensatz zu den USA und in abgeschwächter Form dem Vereinigten Königreich, hat die wirtschaftliche Umverteilung in vielen Ländern Europas die negativen Konsequenzen aus der Globalisierung für den Durchschnittsbürger, den „kleinen Mann“, abgefedert. Zwar ist auch hier das Einkommensgefälle angestiegen, jedoch in geringerem Umfang und auf niedrigerem Niveau. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich ist sicher nicht der alleinige Stabilitätsanker für den Zusammenhalt und das Fortbestehen der EU. Aber zweifelsohne ein entscheidender. Schon einen Tag nach Amtsübergabe besuchte der jüngste Präsident Frankreichs die deutsche Bundeskanzlerin und beide erklärten, dass sie EU und Eurozone mit gemeinsamen Reformen neue Impulse geben werden. Merkel zeigte sich damit in diesem Punkt offener als noch vor einigen Wochen. Und auch Macron bewegte sich auf Deutschland zu, indem er sich gegen eine Vergemeinschaftung alter Schulden in der Eurozone aussprach. Mit Frankreich in ein neues Europa. Im Moment fühlt es sich an wie das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels. Fest steht: Dass Emmanuel Macron die Wahl gewonnen hat, war wichtig für Europa. Als Investor aber gilt es, den Medienhype – egal ob positiv oder negativ – schlichtweg zu ignorieren. Die Lehre aus der Geschichte der diesjährigen französischen Präsidentschaftswahl lautet: Euroskepsis zahlt keine politischen Dividenden. Der Kapitalmarkt orientiert sich, wenn überhaupt, dann vorübergehend an politischen Entscheidungen.

08.05.2017 Portfolio Insights

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02.05.2017 Kommentar

Frauen als Konsumenten

Frauen werden als Konsumenten immer wichtiger. Künstliche Intelligenz und Automatisierung nehmen schon heute spürbaren Einfluss auf die Arbeitswelt – denken Sie an selbstfahrende Autos oder die Werksroboter der Automobilhersteller. Dieser Wandel wird sich Expertenprognosen zufolge in hoher Geschwindigkeit fortsetzen und damit auch Auswirkungen auf die Verteilung der Kaufkraft haben. Eine Untersuchung von BCA Research hat ergeben, dass vor allem Jobs, die typischerweise von Männern ausgeführt werden, von den neuen Robotern bedroht sind.Was sagt uns das? Bestimmte Branchen und Tätigkeiten werden mehr von Männern, andere mehr von Frauen dominiert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die zunehmende Automatisierung betrifft vor allem Jobs der mittleren Einkommensklasse in den Branchen Fertigung und Produktion, Bau und Logistik. Und diese sind klassischerweise Männerdomänen. Autonomes Fahren, also selbstfahrende Lkw und Autos, wird in nicht ferner Zukunft den Menschen vom Steuer der Fahrzeuge verdrängen. 95 % der Lkw-Fahrer heute sind Männer. Aber auch Tätigkeiten, die tiefergehendes Know-how erfordern, etwa das Anwenden komplexer Algorithmen und die Mustererkennung großer Datenmengen wie in vielen Finanzberufen, werden künftig von künstlicher, nicht menschlicher Intelligenz ausgeübt werden können. Die Stärke von Robotern besteht darin, eine eng definierte Tätigkeit wieder und wieder auszuführen. Ihre Schwäche aber ist es, sensomotorische Fähigkeiten abzurufen oder zu ersetzen. Etwas vermeintlich Simples wie eine Treppe hinaufzu- steigen zum Beispiel. Und künstliche Intelligenz vermag es nicht, menschliche Gefühle oder Erwartungen wahrzunehmen und darauf entsprechend zu reagieren. Berufe, die mehrere dieser Eigenschaften erfordern, gelten als besonders zukunftssicherer „menschlicher Arbeitsplatz“. Tätigkeiten im Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitswesen oder soziale Arbeit erfordern sowohl sensomotorische, emotionale als auch kommunikative Fertigkeiten. Und 80 % der Angestellten in diesen Berufen 2017 sind weiblich. IBMs Watson ordnet einem menschlichen Blutstropfen in Sekundenschnelle einen Diabetestyp zu und schlägt eine entsprechende Therapie vor. Er ersetzt also ohne Weiteres Wissen und Tätigkeiten eines Arztes. Die pflegerischen Aufgaben einer Krankenschwester übernehmen – das kann Watson nicht. Die Prognose für frauendominierte Berufe ist aus dieser Perspektive betrachtet also besser als die für häufig von Männern besetzte Positionen. Der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr gelebter Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern etwa in Form einer angepassten Elternzeitregelung fördert diese Tendenz zusätzlich. „Frauen als Konsumenten“ kann daher in den kommenden Jahrzehnten zu einem neuen Megatrend werden. Schon jetzt kaufen bestimmte Güter wie etwa die des täglichen Bedarfs nahezu zu 90 % Frauen. Sowohl Hersteller als auch Handel werden sich auf die neue Situation einstellen. Und diejenigen, die diesen Trend frühzeitig und konsequent aufgreifen, werden besonders davon profitieren. Wir wissen bereits heute um die oben aufgezeigten Fakten und die sich uns bietenden Chancen entsprechender Sektorinvestitionen. Aber so sehr ich diese durch moderne Technik ermöglichte Entwicklung schätze – grundsätzlich und ganz persönlich als Frau in der Männerdomäne der Banken –, Sie können sich sicher sein: Wir sind auch in Zukunft persönlich für Sie da. Der direkte Dialog mit Ihnen ist und bleibt unser höchstes Gut.

12.04.2017 Portfolio Insights

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01.04.2017 Kommentar

Der amerikanische Protektionismus

In seiner Rede vor dem US-Kongress Ende Februar hatte Donald Trump gänzlich andere Töne angeschlagen als sonst. Versöhnliche, optimistische, edelmütige. Etwas überspitzt formuliert, hätte man meinen können, Donald J. Trump sei ein neuer Mensch. Denn zuvor stand der neue US-Präsident vor allem für Unsicherheit und Unbe- rechenbarkeit. Und für eine harsche Wortwahl. Und heute? Auch wenn sein Ton zuweilen milder geworden zu sein scheint, er die Inhalte vielleicht etwas liberaler verpackt, an seiner merkantilistischen Agenda hält Trump gleich dem kategorischen Wahlkämpfer von einst unnachgiebig fest.Egal, wie großmütig der Tonfall – im Kern bleibt Trump seinen protektionistischen Inhalten treu: Er ruft auf zu „fairem Handel“, nicht zu „freiem Handel“. Er weist darauf hin, dass er das US-Steuersystem reformieren möchte, um US-Exporte wettbewerbsfähiger zu machen. Und er glaubt, dass die sogenannte Border Adjustment Tax (BAT), also eine Strafsteuer, die bei einem Außenhandelsdefizit auf Importe erhoben wird, die Anzahl der US-amerikanischen Exporte steigern werde – und damit Arbeitsplätze in den USA geschaffen oder gehalten werden können. Der US-Präsident möchte und muss für seine im Wahlkampf versprochenen Unterfangen sehr viel Geld in die Hand nehmen. Die Frage lautet also: Kann er seine angekündigten weitreichenden Steuersenkungen und Infrastrukturpläne sowie seine protektionistischen Maßnahmen in vollem oder zumindest großem Umfang durchsetzen? Wir glauben: Ja. Eine Analyse von BCA Research zeigt, dass in den vergangenen Jahrzehnten zwischen der Präsentation einer umfassenden Steuerreform und der Unterzeichnung durch den Präsidenten im Schnitt fünf Monate lagen. Zudem haben republikanische Präsidenten historisch gesehen im Kongress immer mehr finanzielle Unterstützung erhalten, als sie ursprünglich gefordert hatten. Nicht unwesentlich ist auch, dass das Thema „Infrastruktur“ neben der Bekämpfung der Drogenabhängigkeit das einzige ist, in dem sich Republikaner und Demokraten einig sind. Vor allem aber wissen die Republikaner, dass sie schnell sein müssen, wenn ihre Vorhaben Erfolg haben sollen: Laut ei- ner Umfrage der Universität von Kalifornien ist Donald Trump schon jetzt der unbeliebteste Präsident seit der ersten Erhe- bung zur Ära Eisenhower in den 1950er-Jahren. Und: Die Wähler wollen die Infrastrukturausgaben. Der Präsident wird nicht müde, zu betonen, dass er der US-amerikanischen Bevölkerung „ein großartiges Amerika zurückgeben“ möchte. Dass Trump ist, wie er ist – ein Populist mit protektionistischer Agenda –, ist Teil seines Erfolgs. Man muss also davon ausgehen, auch nachdem er bereits gut zwei Monate im Amt ist, dass er zumindest während der kommenden Monate an dieser Einstellung festhält. Die Aktienmärke zeigten sich bis jetzt wohlwollend gegenüber seinen geplanten Konjunkturförderungsmaßnahmen. Am Ende jedoch zählen Fakten wie Wirtschaftswachstum und steigende Unternehmensgewinne. Mit anderen Worten: Am Ende zählen für die Märkte nicht die markigen Worte, sondern die erfolgreichen Taten. Wir erwarten, dass die Börsen die ein oder andere Unsicherheit und Enttäuschung hinnehmen werden müssen, letztlich aber dank wachsender Unternehmensgewinne steigen.

08.03.2017 Portfolio Insights

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01.03.2017 Kommentar

America First?

Auch kürzlich polterte der US-amerikanische Präsident wieder einmal gegen jene, die seiner Meinung nach dem neuen Credo „America First“ zuwider handeln: Neben China und Japan warf die amerikanische Regierung Deutschland vor, eine unfaire Währungspolitik zu betreiben. Donald Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro unterstellte der Bundesrepublik in harschen Worten, andere Staaten durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), also mithilfe des niedrigen Eurokurses, auszubeuten.

Nicht selten schießt der neue Präsident mit seiner Meinung über das Ziel hinaus – in diesem Fall hat Trump nicht gänzlich unrecht: Der Euro ist zu günstig. Das zeigt sogar eine Analyse der EZB: Demnach  genießt der Euroraum derzeit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern, darunter auch die USA; der handelsgewichtete Euro müsste um 10 % aufwerten, also 1,20 US-Dollar kosten, um diesen auszugleichen. Um gleiche Voraussetzungen zwischen Deutschland und den USA zu schaffen, müsste sich die europäische Währung gar um ein Viertel verteuern – auf 1,35 US-Dollar. Aktuell macht der niedrige Eurokurs von rund 1,06 US-Dollar deutsche Exporte günstiger und trägt zum hohen Überschuss in der Leistungsbilanz bei. Das stört Trump, für den Ökonomie nichts anderes als „America First“ bedeutet.

Warum ist der Euro so günstig? Der niedrige Kurs ist auch eine Folge der lockeren Geldpolitik der europäischen Notenbank. Nach einer Studie der Bundesbank bewirkten vor allem die Beschlüsse zu billionenschweren Anleihekäufen eine Schwächung des Euro um 6,5 % seit 2014. Seit dieser Zeit habe die Gemeinschaftswährung ein Fünftel zum Dollar abgewertet. Und rund 14 % der Euroabwertung seien auf die Geldpolitik der EZB zurückzuführen. Eine Untersuchung der unabhängigen Experten von BCA Research zeigt weiter, dass vor der massiven Geldlockerung und negativen Zinssätzen die Wettbewerbsfähigkeit zwischen dem Euroraum und seinen Handelspartnern völlig ausgeglichen war. Im Jahr 1999 etwa galt das ebenso für die einzelnen Mitgliedsländer untereinander: Deutschland und Italien beispielsweise wiesen die gleiche Exportrate und die gleiche Gesamtverschuldung jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf. Im Jahr 2010 dann hätten die Unterschiede kaum größer sein können. Heute wiederum ist das Ungleichgewicht zwischen den Ländern des Euroraums wieder zurückgegangen. Auch deshalb, weil die einst benachteiligten Staaten teils drakonische Maßnahmen zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ergriffen haben.

Deutschland jedoch hat nach wie vor einen sehr großen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nationen. Aber, und hier liegt Trump grob daneben: Deutschland schwächt den Euro nicht, um sich einen Handelsvorteil zu erschleichen. Solange die EZB an ihrem geldpolitischen Kurs festhält, kann die Bundesrepublik an dieser Situation nur schwer etwas ändern. Die EZB ist eine unabhängige Instanz, die Bundesregierung kann die EZB-Geldpolitik nicht beeinflussen.

Für uns bedeutet das schlicht und ergreifend: Europäische Unternehmen genießen aktuell einen komparativen Wettbewerbsvorteil. Zwar ist der Euro in jüngster Zeit nicht weiter zum US-Dollar gefallen, prinzipiell aber sollten die Firmen von den positiven Rahmenbedingungen, wie den günstigeren Exportpreisen, profitieren, sodass wir unseren Anteil an europäischen Aktien perspektivisch ausweiten werden.

07.02.2017 Portfolio Insights

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01.02.2017 Kommentar

Plötzlich Inflation?

Die Hyperinflation von 1923 war eine Spätfolge des Ersten Weltkriegs und die Zeit der dramatischsten Geldentwertung, die Deutschland je erlebt hat. Ungeheuer hohe Materialkosten, die Rückzahlung von Kriegsanleihen sowie Reparations-
zahlungen und eine Wirtschaft, die in Scherben lag – die Notenpressen druckten immer mehr Geld, für das es keine materiellen Gegenwerte gab. Immer mehr Geld war immer schneller immer weniger wert. Am 2. Dezember 1923 kostete ein Ei 320 Milliarden Reichsmark. 1 US-Dollar entsprach
4,2 Billionen Reichsmark. Verständlich, dass die Deutschen seit dieser Zeit große Angst vor steigenden Preisen haben.

Auch Mitte Januar titeln die Medien „Plötzlich Inflation“, „Die höchste Teuerungsrate seit dreieinhalb Jahren“, „Die Preise steigen unerwartet stark“ und „Europa ist überfordert“ und stoßen damit in das seit Jahrzehnten vertraute angstbesetzte Horn der Deutschen: Das Schreckgespenst Inflation scheint zurück.

Ist es nicht – sagen wir. Ja, die Inflationsrate in Deutschland ist von November auf Dezember 2016 von 0,8 auf 1,7 Pro-
zent angewachsen. Hauptsächlich wegen des im Lauf des Dezembers angestiegenen Ölpreises. Ein Barrel der Marke Brent hatte von rund 44 auf knapp 57 US-Dollar zugelegt. Auch das solide Wirtschaftswachstum, die hohen Beschäfti-
gungszahlen und der gegenüber dem Euro verteuerte US-Dollar nach dem Wahlsieg Donald Trumps haben die Preise anziehen lassen. Zum Vergleich: Die maximale monatliche Teuerung während der deutschen Hyperinflation belief sich auf 32.400 Prozent! Auf das Jahr 2016 gesehen erreichte die Inflation in Deutschland einen Wert von 0,5 Prozent.

Bill Gates formulierte es einmal so: „Wir überschätzen stets, wie sich die Dinge in zwei Jahren verändern werden. Und wir unterschätzen, wie sie es in zehn Jahren tun.“ Laut dem Finanzanalysehaus BCA Research ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren beunruhigend steigt, äußerst gering: Die Weltwirtschaft leidet nach wie vor unter einem guten Teil ungenutzter Kapazitäten. Wenn diese auch wahrscheinlich immer weiter zurückgehen werden, wird der Überschussabbau dennoch lediglich allmählich erfolgen. Und selbst wenn die gesamten Überhänge ausgeschöpft sind, wird die Inflationswirkung zunächst gering ausfallen.

Die Mehrheit der Experten gibt Entwarnung: Die Preise werden ihrer Meinung nach in absehbarer Zeit nicht stark steigen. Dennoch: Sollte die Europäische Zentralbank bis auf Weiteres und zumindest bis Ende des Jahres den Leitzins nahe Null halten – und Mario Draghi lässt nicht nach, regelmäßig darauf einzustimmen –, könnte die deutsche Wirtschaft heiß laufen. Bis zu einem bestimmten Punkt muss Deutschland dies aber einfach in Kauf nehmen: Deutschland ist Mitglied der Europäischen Währungsunion. Und die Europäische Zentralbank macht ihre Geldpolitik einheitlich für alle Mitglieder. Überhitzt die deutsche Wirtschaft, kann die Konjunktur in Europa stärker wachsen.

Wir haben schon jetzt die Zukunft fest im Blick und investieren in inflationsgeschützte Anleihen: Wenn die Inflation in den USA und Europa anzieht, kann das aktiv verwaltete Portfolio davon profitieren und inflationsbedingten Kaufkraft-
verlust ausgleichen. Unsere Anlage in Goldminenaktien verstehen wir zudem unabhängig von der aktuellen Marktsituation als strategisches Investment, das weiteren Schutz erzielen kann, sollte die Inflationsrate steigen.